22
Apr
2013

M-STADT- NACHTQUALM

sexiRegen fiel, in einer kühl gewordenen Nacht. Es war Zeit zugehen. Während ich die Straße überquerte , kam in mir ein ungestilltes Verlangen auf, wie ein unerfüllter Kuss, kein Traum, sondern ein zurück kehrender Trieb, der mich krampfhaft umschlang und nicht mehr von mir abließ. Fast wie blind lief ich minutenlang auf und ab, um ihn zu finden. Da stand er plötzlich, bleich und regungslos, fabrikmäßig aufgestellt klebte er an einer dreckigen Häuserwand, in einer dunklen Ecke. Der Zigarettenautomat gab mir Sicherheit und Ruhe in einer heftik gewordenen Welt. Ich dachte, damit sei es gut, als ich die Zigarette oben im Schlafzimmer rauchte.
Im Treppenhaus nächerten sich Schritte unserer Haustür, schnaufende Schritte, die umso näher sie kamen immer weniger Leben versprachen, oben angekommen schienen sie fast ausgestorben. Die Haustür gegenüber wurde aufgesperrt. Ein kränklicher Husten, ein Suppenteller voll Tierschleim stand kurz vor dem Ausbruch. Ich erinnerte mich zurück. An die Zeiten von M-Stadt, an die fiesen, grauen Betonblöcke, wo sich auch in einem die Wohnung meiner Eltern befand. Und an die unzähligen Alten, die dort schön der Reihe nach, Etage für Etage wegstarben. Auch ich habe sie damals oft nicht wahrgenommen, die stummen Schreie der Alten. Das Röcheln und Winseln eines geschundenen Körpers, dessen Wochenration Pisse sich an den offenen Wunden und Ritzen eines pröckelnden Schenkelmauerwerks ablesen ließ. Genauso wenig, wie die naheliegende Verwandschaft, die mit beängstigender und störrischer Ruhe einfach nicht mehr kam.
Tessie war nach Hause gekommen.
"Ich habe Hunger!" "Du hast mir versprochen, dass du was kochst"
"Willst du ne Kippe?" "Nur Mut" "Hab keine Scheu"
" Noch mehr Nachtdunst?" " Ist die Welt da draußen, nicht schon Dunst genug?"
"Das Fenster ist offen!"
"Höchstens einen Zug!"

ROT-GLANZ-KÖTER

rotglanz"Was für ein schaurig-schönes Bild", dachte ich mir, als ich unter dem Torbogen hindurch gelaufen war und auf die Straße sah.
Im spährlich, bleichen Licht einer Straßenlaterne lag es in der Nässe auf dem Boden, ein schwach vor sich hin wimmernder und zuckender Fleck, der umso näher ich auf ihn zu kam an Kraft und Leben verlor. Eingetrümmert, vom schweren heranbrausen eines Autoreifens lag der große Kopf des Tieres auf dem straffen und faltenlosen Asphalt, einer neu geteerten Straße. Das Blut lief bequem und elegant zwischen den mächtigen Zähnen heraus und sog nun ganz allmählich das seidig-glänzende Fell des Straßenköters auf. Erschrocken, von dem was ich sah, beugte ich mich zu dem Tier hinunter. Das Maul roch roh und fleischig. Wie ein blutbeschmiertes Neugeborenes winselte hauchdünn die letzte Willenskraft eines Hundelebens aus den starren Augen....
Ein junges Mädchen stand plötzlich neben mir. Man sah ihr an, dass sie innerlich vor Angst fast erstickte. Es war eine kurze Begegnung mit dem Mädchen, dass zusammengekauert neben mir stand, die Hände in der Manteltasche vergraben, mit vorgebeugten Gesicht und offenen Augen, die einen seltsamen Ausdruck von Nachtschwärze versprachen.
"Er ist Tot", oder?, sagte sie traurig
"Ist er doch", oder?
"Er ist doch tot?
"Ja, jetzt ist er tot", antwortete ich
"ja", sagte sie leise
"Jetzt ist er wirklich tot"
"Ganz und Gar"
"Wirklich Tot!"
Das Mädchen zündete sich eine Zigarette an. Während blau-dunstiges Atemleben sich stoßweise und grob gekringelt aus ihrem Mund spielte, nahm der Nachtwind dem Streichholz in ihrer Hand den Sinn. Dann drehte sie sich um, rasch, als wolle sie von niemanden gesehen werden, verschwand sie zwischen den alten stattlichen Häuserwänden. Wohlweißlich dem Gedanken, dass ihre Tränen im Gesicht auf dem mühsamen Heimweg genauso einfrieren würden, wie ihre blau-angelaufenen Lippen. Als ich ihr hinter her sah, spuckte das Tiermaul einen letzten Pfiff Blut. Die Nässe des Asphalts, gleich neben dem platt-gewälzten Bündel Kopffleisch, war nun endgültig mit rötlicher Maultinte befriedigt.....
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