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27
Apr
2013

M-STADT / ZWISCHEN DEN SCHENKELN ZITTERTE DIE WELT

ok1Im Vorbeitrödeln zog ich hecktisch einen halben, von der Nacht noch übriggebliebenen Strich, der auf meinem kleinen Spiegel unter dem Bett lag. Aus meinem Mund roch die Nacht . Kippen, Bourbon und Kokain, hinter vorgehaltener Hand schien der Duft eines nassen Straßenköters tiefer in mir drinn zu stecken, als es mir lieb war. Jeder Drogenköter hätte an diesem frühen Morgen seinen Job an den Nagel gehängt und das Weite gesucht, die Grundausbildung neu überdacht und in Zukunft lieber Bomben entschärft, als einen Hauch von diesem Atem in seiner Nase zu spüren. Ich ging duschen.
Eine Stunde später, verliesen dann Perry und ich die Wohnung meiner Eltern und wir taten das, was Perry am besten von allen konnte. Die Reichen essen! Und er aß sie ganz langsam. Perry fraß sich wie eine Kreissäge durch die Schädelknochen der Gierigen und Nimmersatten, ritze ihnen mit einer Glasscherbe die Schädeldecke auf, hob sie hoch und pieckste sich wie eine Reiszwecke an die Gehirnhaut, bis sich Anmoral und Anstandslosigkeit aus ihren Köpfen verpisste.
Wie eine fingerdicke, rostige Rohrstange bohrte er sich in die kokaintauben Vaginas reicher Frauen aus Mode und Werbung, rieb sich solange an ihnen rauf und runter, bis ihre Unterlippen zuckten, die Grenzen der Lust und die tief verborgenen Abgründe auf den Lippen halb zerbissen waren. Perry lockerte die Spermastauverstopften Schwänze erfolgreicher Bänker und Brooker, meißelte sich wie ein Steinmetz in die koksverengten Hinterwände ihrer moralisch, bankrotten Herzen, bis das Herz endlich seinen Frieden fand und starb.
Perry war der Problemlöser, für die vom Alltag vergewaltigten, das göttliche Geschenk einer scheinbar, langweillig gewordenen Welt, eine nächtliche Durchblutungsstörung und eine Geldvernichtungsanlage, die früher oder später jede Kreditkarte und jedes Bankkonto lahm legte. Hatte er es mal nicht rechtzeitig geschafft an Ort und Stelle zu sein, röchelten die Reichen wie die Alten, Urinbesudelten aus den Treppenhäusern und konnten sich kaum noch auf den Beinen halten.
Als die Abendämmerung einsetzte, fuhren Perry und ich zurück in unser Viertel. In den Hosentaschen zitterte, bündelweise das Geld vor Kälte. Vor uns lagen vom Nebel verschluckt die niedrigen Häuser der Eisenbahnersiedlung. Ganz hinten, in der letzten Schramme der Siedlung, dort wo um diese Uhrzeit die Alten und Müden wie kleine Kinder schon sanft vor sich hinschlummerten, war M-Stadt....

M-STADT EIN TÜRRAHMEN VOLL TESSIE

kindgtDer Winter war gegangen. Mit ihm verschwanden Nässe und Kälte , übergroße Schneehaufen auf den Straßen wurden trinkbar und das winterliche Leiden der Menschen auf kommendes Jahr verschoben. Mit dem Ende des Winters ging auch die Einsamkeit, die mich hinter verschlossenen Fenstern und Türen , mit künstlichem Licht gegen die Dunkelheit Monate lang gequält hatte. Kokain und Bourbon halfen gegen die Einsamkeit, meistens zumindest, aber eben nicht immer. Menge und Dosis wurden zunehmend zu einem unkontrollierbaren Gemisch auf der Fensterbank, eine gläserne und Linien gezogene Selbstzerstörung, Teufelsgelächter, dass regelmäßig über mich herfiel, an manchen Tagen war der Gedanke an Selbstmord nicht mehr fern, wenn permanente Angstzustände mit mir machten was sie wollten.
Ich saß am offenen Fenster und studierte das Leben im Viertel. Die Nacht war lau. Zwei Falter durchquerten mein Zimmer, später kamen die ersten Mücken, deren Leben ich auf keinen Fall unnötig verlängern wollte. Plötzlich klingelte es an der Wohnungstür. Mein Vater würde schon aufstehen und nachschauen, so war ich mir sicher. Er saß immerhin schon seit Stunden stumm im Wohnzimmer, ein bisschen Ablenkung würde ihm da nicht schaden.
An meiner Zimmertüre klopfte es.
"Du hast Besuch," sagte mein Vater geruchlos
Die Türe ging auf.
"Hey, ich hab gehört, du würdest mich gerne wieder sehen."
Für einen Moment glaubte ich mich übergeben zu müssen. Da stand sie, lässig im Türrahmen gelehnt, blässlich und fast ein wenig lichtscheu, mir völlig unerklärlich, nur einen winzigen Luftzug von mir entfernt und nein, die Mücken würden mir nicht zuvor kommen, ich würde schneller sein als sie. Aber wie konnte ich überhaupt nur davon reden, schneller zu sein als sie, wie soll das gehen, wenn ich erst mal kotzen muß.
Tessie lächelte geheimnissvoll.
"Bekomme ich denn keinen Begrüßungskuss nach so langer Zeit?"
Ich schwieg. Die Stille im Raum war fast unerträglich. Im Deckenfluter neben der Tür verbrannte ein Falter.
"Oder ist es dir lieber, wenn ich wieder gehe?"
Tessie blieb. Die ganze Nacht......
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