M-STADT /MATT/ GELBLICH/ WAR/ DES / RACHE/ ANFANG/
Straßenlaternen brannten unzuverlässig. Vom Nebel verschwommen, brachte nur jede zweite Straßenlampe Helligkeit in Straße und Viertel. Ein großer, plump wirkender Hund, aufgewühlt durch das Erscheinen zweier nächtlicher Spaziergänger, hing plötzlich schnaufend am Zaun und schlug Krach. Das Bellen zeigte Wirkung. Die Bewegungsmelder tauchten den rießigen Garten, in eine nichtssagende matt-gelbliche Blässe. Auch die Toreinfahrt verlor ihre dunkle Nachtlaune und veröffentlichte gegen Ende hin tatsächliches Villenleben. Zwei altbrüchige Erscheinungsbilder, mumifiziert in südhaft teurer Sterbegewändern, rannten quer durch das Wohnzimmer zur Haustür hin. Im Gefolge, das Entlastungsmaterial für den ganz normalen Villenalltag.Die südeuropäisch, wirkende Putzfrau, eine weibliche Chronik heimatvertriebenden, politischen Widerstands, die ausgerechnet heute die saubere Tagesordnung in die Nacht hinein verschoben hatte. Gefolgt von einem blutjungen Kindermädchen, eine lichtscheue und blässliche Tonspur, die an lolitahafte Spätfilme vergangener Jahre erinnerte und für ein paar Mark in der Stunde den kleinen Kindern im ersten Stock der Villa garantierte Traumversprechen gab und zu guter Letzt: Das Au-Pair-Mädchen, die aus der unterhalb der Villa liegenden Einliegerwohnung heraus stürmte. Eine für alle im Haus vaginal offene Weltanschauung, die regelmäßig zu Taub-und Ohnmachtsgefühlen in den Tennisarmen des Villenbesitzers führt.
"Wenn ich bei jedem scheiß Kötergebell, darüber Nachdenken muß, ob der goldenen Löffel der in meinem Arsch steckt, auch sicher ist, würde ich das Kotzen kriegen, sagte Perry und ging schnellen Schrittes weiter. Ich tat es ihm gleich...
Als wir dann ein paar Minuten später, in eine noch stillere Querstrasse abgebogen waren, erschien uns eine nicht ganz fehlerfreie Jugendstilvilla, die sich wohl ganz allmählich damit abgefunden hatte, dass sich ganz offensichtliche , finanzielle Verdunklungen des Besitzers auch auf den Fäulniszustand von Villa und Pool ausgewirkt hatte. Doch von anfallendem Bankrott, Vermögenschwäche, zwangsläufigen Verkauf oder gar geistiger Umnachtung, wollte hier keiner was wissen. Im Gegenteil. Zurückblickend auf die letzten drei Jahrzehnte war das Leben doch ein einziges, vollgeschissenes Waschbecken voll Glückseeligkeit und in diesem einen, ganz besonderen Fall hier, war es sogar noch mehr als das. Es war ein ganzer Pool voll vollgeschissener Glückseeligkeit, der nur gerade etwas Zeitverliebt mit sonderbaren Randerscheinungen liebäugelte. Aber alles in Allem war es doch der Zufall gewesen, der jetzt zentimeterdick, im halb vollen Pool oben aufschwamm, nasses verfaultes Laub, das bakterienzersetzt roch wie menschliche Verwesung.
Eine halbe Zigarettenlänge später waren Perry und Ich dann da..
"Gott weiß, warum ich ihn damals nicht einfach umgebracht habe"
"Stattdessen bin ich nach Hause gefahren, habe mir eine Badewanne einlaufen lassen und zwei Gramm Koks gezogen"
Der plötzliche Nachtglanz seiner Augen versprach nichts Gutes.....
Perry T.Hadden - 2. Mai, 23:10
