M-STADT/ KELLERJUNGE/SEI/GANZ/LEISE
M-Stadt war jener eingeschlagene Schädel einer Gesellschaft, der urplötzlich da war, lautlos, über Leichen gehend, wo keine Dichtkunst, Nobelpreisträgertum und New Economy entstand, sondern einem schlichtweg das Grinsen aus der Fresse geprügelt wurde. Während in unserem Land die aufkommende Armut und Verwahrlosung von neuen Sozialprogrammen, täglich neuen Kampfansagen der Länder und Kommunen kaschiert wurde, holte M-Stadt Tag für Tag zu einem neuen Schlag gegen die Gesellschaft aus.Die Abenddämmerung setzte ein, als Perry und ich die schmalen Treppen hinunter gingen, die zu den schaurig, düsteren Kellern von M-Stadt führten. Im selben Augenblick kamen Tessie und Iceman die Treppe nach oben gelaufen. Hier auf der Treppe war es viel zu kalt um eine Gänsehaut zu bekommen, aber ich bekam sie trotzdem. Gestochen scharfe Heroinaugen starrten mich an. Als Tessie und ich uns auf der Hälfte der Treppe trafen, vergaßen ihre Brüste die Platzangst. Etwas Zartes, Weiches streifte meinen Körper und ließ nicht mehr von mir ab, Lippenformen befanden sich in beängstigender Enge. Selbst wenn ich jetzt den Boden unter den Füssen verlieren würde, aber ich musste sie einfach berühren und küssen, ihre rötlichen Lippen. Die Wände werden uns schon halten und dann gab ich ihn ihr, einen scheuen Kuss auf den Mund. Tessie lächtelte verlegen.
"Hilf dem Jungen! Bitte!" hauchte sie mir im vorbeigehen ins Ohr. Schweigend ging sie mit Iceman die Treppe nach Oben und verschwand in der Dunkelheit. Perry und ich gingen durch die eisenbeschlagene Tür zu den Kellern. Der süchtige Soderberg, die Wagenknochen vom Kokain halb aufgefressen, stand in der Mitte des Ganges. Der Drogenschweiß lief ihm in Strömen von der Stirn. Hinter einer halboffenen Kellertür sah ich plötzlich die zwei schwärzlichen Augen eines kleinen Jungen, die durch länglich knarrende Holzstreben blinselten. Der kleine Junge sprach nicht, nicht eine einzige Sekunde, nicht eine Silbe, nicht ein einziges Wort. Er sprach überhaupt nicht, auch nicht als er Perry und mich sah. Er blickte nur gedankenvoll in das schmutzige Kellergewölbe, nicht hilflos, nicht ängstlich, aber man merkte ihm seine spürbare Unsicherheit an, so als hätte er doch so etwas wie Angst, mit jedem Wort das er sagen würde, könnte er Sodeberg missfallen....
Perry T.Hadden - 5. Mai, 17:39
