24
Apr
2013

M-STADT - SCHÖNE/HEILE/WELT

schoene-heile-weltMit verstellten Lachen, öffnete Julie die Wohnungstür und führte beide in das Wohnzimmer. An Arroganz kaum zu übertreffen, schienen sich beide vermutlich sehr sicher zu sein, dass die Hemmungslosigkeit ihres kränklichen Höhenfluges nichts anderes war, als eine pädagogische Maßnahme, knusprig, enge Vaginas frühreifer Mädchen in die richtige Form zubringen. Schließlich korregierte man doch als Mann das Gleichgewicht in Haus und Wohnung. Und das sollte auch so bleiben!
In Perrys Gedanken schlug das längliche Kaminbesteck in den Köpfen der beiden ein. Nur wenn die Spitze vorne richtig glühen würde, könnte man ganz leicht durch die Gehirnmassen bohren. Dabei gäbe es auch relativ wenig Gesichtsverlust. Dumm wäre nur, sie so wieder in die Welt hinaus gehen zulassen. Aber bevor es dazu kommen würde, dachte Perry, hätten sie beide zusammen noch mehr als genug Zeit, wirkliches Aufsehen zu erregen. Zugegeben, für einen einfachen Entschuldigungsbrief wäre die noch verbleibende Zeit wirklich ein wenig knapp. Eine einfache Rücktrittserklärung wäre schon ausreichend, Rücktritt vom Vater sein, Rücktritt als Ehemann, Rücktritt von Gewalt und besser noch: Rücktritt vom Leben!
Ja, das würde ausreichen!
Bei dem Freund des Vaters blieben Perrys Gedanken noch distanzierter. Er müsse auf jedenfall Drehort und Darstellungskunst für seine ausgefallenen Neigungen ändern. Leise, ganz alleine unter der Decke, würde sie in Gedanken vollzogen. Bis der Schwanz bricht!
Aber sähe sie wirklich so aus, die Wiedergutmachung für eine triebhafte Vorstellungslücke in Gehirn und Schwanz? Und was wäre, wenn von den beiden nichts der Gleichen kommen würde? Dann, so dachte Perry weiter, hätten sie beide nichts anderes verdient, als Toleranz und Aufschub. Äußerst Höflich und Guterzogen, so wie Perry nun einmal war, hätten sie genau noch diesen einen Abend Zeit, ihre Fehler zu korregieren. Danach...
"Ach was soll ich sagen" lächelte Perry, als er von der Toilette kam
"Hätte er sich doch besser für die Welt des Zirkus entschieden"
"Ganz leicht wäre es für ihn gewesen, Lebewohl zu sagen"
"das Verrußte und Glühende ganz langsam von oben herab, wie ein Messerschlucker sein Schwert"
"und wie wunderbar hätte ich es gefunden, dabei zu zuhören.
"blutiges Gestöhne im österreichischen Dialekt"
"Ich finde das gibt dem Ganzen noch einen ganz eigenen, individuellen Flär mit auf dem Weg"
"eine hübsche Gewaltepisode", findest du nicht ?
Julie war auf der Couch eingeschlafen...

22
Apr
2013

M-STADT- NACHTQUALM

sexiRegen fiel, in einer kühl gewordenen Nacht. Es war Zeit zugehen. Während ich die Straße überquerte , kam in mir ein ungestilltes Verlangen auf, wie ein unerfüllter Kuss, kein Traum, sondern ein zurück kehrender Trieb, der mich krampfhaft umschlang und nicht mehr von mir abließ. Fast wie blind lief ich minutenlang auf und ab, um ihn zu finden. Da stand er plötzlich, bleich und regungslos, fabrikmäßig aufgestellt klebte er an einer dreckigen Häuserwand, in einer dunklen Ecke. Der Zigarettenautomat gab mir Sicherheit und Ruhe in einer heftik gewordenen Welt. Ich dachte, damit sei es gut, als ich die Zigarette oben im Schlafzimmer rauchte.
Im Treppenhaus nächerten sich Schritte unserer Haustür, schnaufende Schritte, die umso näher sie kamen immer weniger Leben versprachen, oben angekommen schienen sie fast ausgestorben. Die Haustür gegenüber wurde aufgesperrt. Ein kränklicher Husten, ein Suppenteller voll Tierschleim stand kurz vor dem Ausbruch. Ich erinnerte mich zurück. An die Zeiten von M-Stadt, an die fiesen, grauen Betonblöcke, wo sich auch in einem die Wohnung meiner Eltern befand. Und an die unzähligen Alten, die dort schön der Reihe nach, Etage für Etage wegstarben. Auch ich habe sie damals oft nicht wahrgenommen, die stummen Schreie der Alten. Das Röcheln und Winseln eines geschundenen Körpers, dessen Wochenration Pisse sich an den offenen Wunden und Ritzen eines pröckelnden Schenkelmauerwerks ablesen ließ. Genauso wenig, wie die naheliegende Verwandschaft, die mit beängstigender und störrischer Ruhe einfach nicht mehr kam.
Tessie war nach Hause gekommen.
"Ich habe Hunger!" "Du hast mir versprochen, dass du was kochst"
"Willst du ne Kippe?" "Nur Mut" "Hab keine Scheu"
" Noch mehr Nachtdunst?" " Ist die Welt da draußen, nicht schon Dunst genug?"
"Das Fenster ist offen!"
"Höchstens einen Zug!"

ROT-GLANZ-KÖTER

rotglanz"Was für ein schaurig-schönes Bild", dachte ich mir, als ich unter dem Torbogen hindurch gelaufen war und auf die Straße sah.
Im spährlich, bleichen Licht einer Straßenlaterne lag es in der Nässe auf dem Boden, ein schwach vor sich hin wimmernder und zuckender Fleck, der umso näher ich auf ihn zu kam an Kraft und Leben verlor. Eingetrümmert, vom schweren heranbrausen eines Autoreifens lag der große Kopf des Tieres auf dem straffen und faltenlosen Asphalt, einer neu geteerten Straße. Das Blut lief bequem und elegant zwischen den mächtigen Zähnen heraus und sog nun ganz allmählich das seidig-glänzende Fell des Straßenköters auf. Erschrocken, von dem was ich sah, beugte ich mich zu dem Tier hinunter. Das Maul roch roh und fleischig. Wie ein blutbeschmiertes Neugeborenes winselte hauchdünn die letzte Willenskraft eines Hundelebens aus den starren Augen....
Ein junges Mädchen stand plötzlich neben mir. Man sah ihr an, dass sie innerlich vor Angst fast erstickte. Es war eine kurze Begegnung mit dem Mädchen, dass zusammengekauert neben mir stand, die Hände in der Manteltasche vergraben, mit vorgebeugten Gesicht und offenen Augen, die einen seltsamen Ausdruck von Nachtschwärze versprachen.
"Er ist Tot", oder?, sagte sie traurig
"Ist er doch", oder?
"Er ist doch tot?
"Ja, jetzt ist er tot", antwortete ich
"ja", sagte sie leise
"Jetzt ist er wirklich tot"
"Ganz und Gar"
"Wirklich Tot!"
Das Mädchen zündete sich eine Zigarette an. Während blau-dunstiges Atemleben sich stoßweise und grob gekringelt aus ihrem Mund spielte, nahm der Nachtwind dem Streichholz in ihrer Hand den Sinn. Dann drehte sie sich um, rasch, als wolle sie von niemanden gesehen werden, verschwand sie zwischen den alten stattlichen Häuserwänden. Wohlweißlich dem Gedanken, dass ihre Tränen im Gesicht auf dem mühsamen Heimweg genauso einfrieren würden, wie ihre blau-angelaufenen Lippen. Als ich ihr hinter her sah, spuckte das Tiermaul einen letzten Pfiff Blut. Die Nässe des Asphalts, gleich neben dem platt-gewälzten Bündel Kopffleisch, war nun endgültig mit rötlicher Maultinte befriedigt.....

18
Apr
2013

M-STADT NACHT/ZUG/GEWÄSCH

jiontsDer Zug, ein kränklicher Sonderling mit altdeutschen Namen, der das Alter nicht ablegen konnte, roch den nächsten Bahnhof und die nächste Stadt und fuhr langsamer. Seit gut einer Viertelstunde nun schon jubelte der Schaffner eine Zugverbindung, eine Anschlussstelle nach der anderen in sein rauschendes Mikrophon. Am liebsten hätte ich dem Mann, der die Dynamik eines Tagesschausprechers hatte, eine verpasst und damit das Gequatsche beendet, oder ihm ein Handtuch um den Hals gelegt und zugezogen. Wie liebend gerne würde ich ihm die Luft zum Atmen nehmen, einen Schnuller in den Mund hinein drücken und dann wie ein Kind in die Hände klatschen, wenn er daran krepiert..
Ich war eingeschlafen. Einige Dosen Jack Daniels ließen mich schlummern, wenn auch nur kurz. Stimmt! Da war ich stehen geblieben, ganz am Anfang der Geschichte. Ich saß also immer noch in diesem schäbigen Zweite-Klasse-Abteil. Gegenüber von mir saß ein Honky Tonky, ein Quergeschlitzer, ein Chiny, einer mit ganz besonderen Fähigkeiten. Der kleine Mann hatte den Ehrenplatz unter den an, an Armut und Krieg hinter sich gelassenen, wund gesessenen Sitzen in diesem Abteil. Es war gleich nach der ersten Station, als der Mann es vorgezogen hatte, sich von seinem Schuhwerk zu verabschieden. Was über mich herfiel, war eine äußerst elegante Fußzüchtung, eine Mischung aus alten , abgewetzten Socken, seit Tagen nicht gewaschenen Füßen, mit einem hin und wieder stark verhinderten, äußerst stummen aber wirkungsvollen Schließmuskel, der sich von Industrieabfällen zu trennen schien. Das ich noch am Leben war, hatte auch nichts mit meinem zweiten Zugbegleiter zu tun, der nach der fünften Station in das Abteil gekommen war und in der Mitte Platz nahm. Aus dessen Körper floss der Schweiss in Strömen. Mit gesenkten Blick saß er meistens da und faselte ununterbrochen irgendetwas von menschlichen Schicksalen, Hass und Liebe, gedankenlosigkeit eines Primitiven, absurdes und abstoßendes Gewäsch, das öfters den Anschein machte, sich aus seinem Mund befreien zu wollen.
Ganz rechts am Fenster saß ein schweigsames, unscheinbares Mädchen. Ein Mädchen aus unserer Zeit in ihrer kompaktesten Form, eingehüllt von oben bis unten in United Colors of Benetton.
Recht nett anzuschauen, so wie sie damals alle waren. Die Erotik zu Hause gelassen, die Titten hinter dunkler Kaschmirwolle versteckt, die Haare straff zurück gekämmt, Lippen und Augen fehlte es an Farbe und Pinselstrichen, an frei zugänglicher, solariumsgebräunter Nabelschau war nicht zu denken. Dabein hatte sie wirklich einiges zu bieten. Als sie sich streckte, flogen sie fast übermächtig über mich her, ihre großen, leicht wippenden Brüste. Mein Gott! Vor Freude klatsche ich in die Hände! Wie gerne wäre ich ihr freundschaftlicher Berater geworden! Ich wäre ihr sogar bei heiklen Gehalts-und Honorarfragen beiseite gestanden, ich würde ihr blind in jedes Hotel folgen, in jede dunkle und Hofeinfahrt und Tiefgarage würde ich sie begleiten, nur um sie einmal ohne jegliches Verpackungsmaterial anzuschauen und anzufassen, diese wohlgeformten Ausbuchten, die mich fast um den Verstand brachten..

15
Apr
2013

M-STADT VOM SUCHEN UND FINDEN DER WAHRHEIT

Zwischenablage012Es war die Wahrheit, die jetzt stark verwundet in der Ecke lag, blutgesättigt, als Bohrausschnitt im Waschbecken und eigentlich nichts anderes zu bedeuten hatte, wie eine hässliche Enttäuschung vom Leben. Soweit es ging, versuchte Perry seinen drohenden, seelischen Zusammenbruch zu verhindern. Die gewaltbereite Atmosphäre seiner Gedanken, hatte er für kurze Dauer gegen Rechtfertigung und Verständnis eingetauscht.
Lag er nicht von Anfang an richtig mit dem Gedanken, etwas Tiefgründiges würde in ihm schlummern, dass es einfach nicht schaffte abgeschlossen zu werden?
Wie oft schon wurde er Zeuge davon, wie Preisverhandlungen und Bilderverkäufe zu einer fast politischen Sache geworden sind, weil er keinem Deutschen die Hand gab. Niemals einem Deutschen die Hand gab!
War er nicht in Wirklichkeit eines jener abgebrühten Berechnungstalente, die es mit der Zeit sogar geschafft hatten, wirkliche Zuneigung und Schwärmereien für ein junges, deutsches Talent zu entwickeln?
Aber wie schaffte man es, wirkliche Zuneigung und Sympathie für jemanden zu empfinden, dessen Großeltern alle Anstrengungen unternommen hatten, den Menschen im Lande klar zumachen, dass das Leben nur so angefüllt war, mit nichtssagender Judenkraft?
Und obendrein noch das Wunschziel herum posaunten, von kompletter Auflösung der jüdischen Weltanschauung.
War es tatsächlich also nur die Geldgier, die ausreichend Grund genug war, dass man ein langjähriges Trauma sogar hinter jüdischen Fensterscheiben einer Galerie ausstellen würde?
Oder würde er selbst dieses Detail im Laufe der Jahre zu korregieren versuchen, in dem er es als eine Geste jüdischer Großzügigkeit benennt?
Perrys innere Zerissenheit steigerte sich von Minute zu Minute. Mittlerweile hatte sich zwischen ihm und dem Zahnarzt eine hochexplosive Korrespondenz über Bilder und Kunst entwickelt. Ohne es zu Wissen, ohne Ablenkung und ohne eine Pause in seinen Erzählungen einzulegen, schickte der Zahnarzt Perry und den Galeristen, in eine Welt aus Isolation, menschlicher Verlogenheit und fast gegenseitiger Vernichtung....

M-STADT KUNSTSTUMM

kunststummWenn man Wolken abtreiben könnte, so dachte ich mir, dann wäre es an diesem frühen Morgen, als ich auf dem Weg zu Perrys Loft war, eine nahezu einhundertprozentige misslungene Abtreibung gewesen.
Ein einziger bedeckter Himmel, pechschwarze, randvolle Gewitterwolken, die mir auf den Fersen waren, über mir hingen und tausendmal mehr Wasser zum Pissen hatten, als die undichte Blase meines Vaters. Perrys Loft war etwas Heiliges, eine ruhige abseits gelegene Rückzugsadresse, auf die er viel Wert legte, in einer phänomenalen künstlerischen Verfassung. Aber er war auch ein stummer Schrei nach etwas, nachdem er verzweifelt im Leben suchte und nicht zu finden schien.
Am vorsich hin pröckelnden Mauerwerk der Loft lehnten vier übergroße, nicht fertiggestellte Bilder. Bilder die keinen Ausdruck von Ruhe signalisierten, alles schien verschwommen und düster, unterschiedlich schattiert mit kurzen Pinselstrichen. Die vier Bilder erzählten keine Geschichten, sondern berührten, wie zufällige Momentaufnahmen einer Gewaltbereitschaft, fest auf übergroßen Leinwänden. Auffallend an allen Bildern war, dass sich die Gesichter vom Betrachter abwendeten, ziemlich lichtlos das Ganze, monochrom und wirkte bedrohlich. Menschen erschienen als unausgearbeitete Figuren. Sie waren nicht fertig, ihnen fehlte auf meist tief schwarzem Hintergrund das rohe, rote Fleisch. Dennoch interessierte sich einer der angesehendsten Galleristen in Wien für Perrys Bilder...
Vor den Bildern, auf staubigen Boden offenbarte sich alte, deutsche Literatur, Zeitgenössisches und Geschichtliches, Hesse, Böll, Rilke, Grass lagen dicht verstaubt neben Spiegel-Ausgaben, Hochglanz-Pornohefte aus Italien, Hitler, der fast 300 Seiten dicker gebunden war, blickte schmunzelnd auf italienische Titten herab.
Ja wir waren stolz auf unser Land, nur hatten wir alle ein Problem:
Wir durften es nicht sagen. Eigentlich durften wir es noch nicht mal denken. Und wenn dann nur hinter vorgehaltener Hand. Taten wir es doch, wurden wir sofort als politisch rechts abgestempelt und das, obwohl bei den meisten von uns jeder Dritte im Freundeskreis ein Ausländer war....

Ein Mädchen Namens Julie

juliPerrys Freundin Julie war reich, klug und schön, von männlicher Hand unberührt und ein einziger hochexplosiver Schrei nach Liebe,mit einem selbst eingebauten Zeitzünder im schattigsten, hintersten Winkel unter ihrer Schädeldecke, den sie jederzeit drücken konnte, wenn es ihr mit dem Leben und ihrer Familie zu viel wurde. Tote denken nicht, das können sie mir glauben. Ich hatte bereits das Vergnügen. Im zarten Kindesalter von sechzehen Jahren hatte Julie diese zwei Zeilen auf einen großen Spiegel geschrieben, als der Vater, von UnmengenTumblern Whiskey schwer gezeichnet, von einem nächtlichen Geschäftsessen bedrohlich schwankend nach Hause kam, sich zur späteren Stunde durch die sündhaft teure Villa am noblen Stadtrand prügelte, kein Zimmer ausließ, weder Ehefrau noch Tochter wurden verschont, bis der Mutter die Flucht gelang und die Polizei den Wahnsinnigen schließlich in Gewahrsam nahm. Seit jener Nacht konnte sich Julie nicht mehr vorstellen mit einem Mann zusammenzuleben. Für sie waren Männer saufende, prügelnde und halbvertrocknete Frühchen mit weit geöffnetem Mund, die gierig in molliger Wärme nach dem Hals der Flasche greifen, Schlund und Kehle säubern, bis in den späteren Jahren Fäulnis und Verwesung kommen, Grund genug die Dosis zu erhöhen, bis leer getrunkene Flaschen den Mülleimer füllen. Nicht selten tritt der Glücksfall ein, früher als erwartet, dem Leben Lebewohl zu sagen.
Perry hatte Julie auf einer Schiffsreise kennen gelernt, einer vier stundenlangen Dampferfahrt, vorbei an millionenschweren Häusern, allsamt mit Blick auf den See, die schönste Seite in gelbliche Sonnenlicht gerückt, davor unzählige Boote und Yachten, kleine und große. Beweis genug, dass es auch in diesem Jahr keinen Grund zur Beunruhigung gab. Das Leben hatte es mit ihnen gut gemeint. Die Summe der teuren Nobelmarkenin den Garagen war zwar gleich geblieben, aber zu guter Letzt, wirkliche Armut gehörte den schwitzenden und stinkenden Gärtnern , die Büsche und Blumen in prächtigen Gärten in Fasson schnitten, und alle Nase lang auf die Toilette rannten, den sonnenüberhitzen Dauerständer los zuwerden, den blutjunge, wohlgeformte und braungebrannte Brüste hervorgerufen hatten......

14
Apr
2013

M-STADT HOCHOBEN GURRTE DER TAUBENDRECK

taubendreckLangsam, als müsse der Zug erst in die richtige Nachtform gebracht werden, fuhren wir in den Bahnhof ein. Nach etlichen Stunden , in denen ich kein Auge zu gemacht habe, hatte uns Wien endlich in seine großstädtische Haft aufgenommen. Auch wenn es sich vorerst nur um eine kurze Gefangenschaft handelte, die einer nachtmüden Bahnhofsseele.
In den Abteilen um mich herum herrschte Hecktik. Ich nahm meine Sachen und ging zur Ausgangstür. Der Nachthimmel war bewölkt. Den Menschen konnte es nicht schnell genug gehen. Koffer und Taschen führten sich unanständig auf, saßen eng zusammen in den Gängen und versperrten die Türen. Als sich die Tür öffnete , drängelte sich der Pulg nach draußen. Hoch oben unter dem Bahnhofsgewölbe, auf dünnem Gebälk , gurrten die Tauben um die Wette und freuten sich auf jeden neu Gekommenden. Die Tauben hatten es gut. Kraftvoll und in atemberaubendem Tempo schissen sie bündelweise gelb-grünlichen Süßstoff auf alles und jeden. Wie liebend gerne würde ich dieses Seuchenlager dort oben aufsuchen wollen und jeder Taube schön säuberlich den Schnabel brechen, ihn in der Mitte entzwei teilen, wie ein altes verschimmeltes Brot, dass man ihnen zum Frass vorwirft. Wie liebend gerne würde ich ihnen jede Kralle einzelnd aúsrupfen, den hecktisch suchenden Kopf wie einen Rotweinkorken zurück in den aufgeblähten Hals schrauben und sie solange in ihren eigenen Kotlachen wälzen, drehen und wenden, bis sie das absolute Versmaß an gelblicher, verklebter Federdichte erreicht hätten.
Hätte ich doch nur genug Zeit! Ich würde diesem gräulich, bleichen Stumpfsinn dort oben ein für alle Mal ein Ende bereiten. Niemals wieder, würden sie melacholische Taubenmelodien in die späte Nachtwelt posaunen können, schon gar nicht in die meine...

13
Apr
2013

DIE SCHWÄRZE DER NACHT WAR TIEFKALT UND WIMMERND

nachtPerry fragte den Mann vom Imbiss eine weiteres Mal nach etwas zu essen. Doch der Mann wandete sich von uns ab. In schlechter Tonqualität murmelnd ließ er sich dann schroff und und ein wenig untalentiert nach unten plumpsen und kramte zwischen einer stummen Clique Kanistern. Ohne jegliche Vorwahnung ging Perry in den Imbisswagen. Als der Mann erschrocken seinen Kopf nach oben bewegte, eingelullt von der gnadenlosen Grausamkeit eines Grillreinigers, ging dann alles blitzschnell. Perry nahm die Hand des Mannes und hielt sie in das kochend heiße Fritösenfett. Das Fleisch fing an zu brutzeln. Der Imbissverkäufer schrie um sein Leben. Die ganze Nacht schrie und bohrte sich ihren Weg über den Teich hinweg ins Freie, auf die andere Seite, wo der kleine Friedhof lag. Doch zum Glück war dort niemand mehr wach genug um zuzuhören.
Die Blicke des Mannes flehten verzweifelt nach Verständnis und Gnade. Doch mein Gehirn hatte die gesamte Summe der Funktionen lahm gelegt, die für Wahnehmungen zuständig sind und zu allem Übel räumte mir jetzt auch noch mein Rollkragenpullover lachend ein, dass er mich von ganzen Herzen liebte und ohne ein weiters intensives Gespräch mit meinem Hals zu führen, schnürte er mir die Kehle zu.
Unbeeindruckt vom Brodeln menschlichen Fleisches und dem Geruch verbrannter Haut nahm Perry die Hand des Mannes aus der trüben Brühe. Das Rohgekochte hing starr und tropfend in der Luft. Unfähig auch nur einen Schritt weiter zu gehen waren Mann und Hand in keinem vorzüglichen Zustand mehr.
Als der Mann auf das fetttriefende Ende seines Armes blickte und den schwärzlichen Klumpen Fleisch nach vorne hielt sackte er wie ein nasses Badehandtuch zusammen.
"Nur so ein Gedanke", sagte Perry
" Entenbrüste werden nach dem abkühlen von der Hautseite aus diagonal eingeschnitten.
"Nach dem abtropfen"
Der Teich schlief tief und fest und menschenleer. Auch die Toten vom kleinen Freidhof gegenüber blieben lieber in ihrer allseits gewohnten Form. Tot!
Perry kam seelenruhig aus dem Wagen und zündete sich eine Zigarette an. Im Hintergrund wimmerte die Nacht.
In jener Nacht wurde mir bewusst, als ich in Perrys trübe Augen sah, dass für ihn eine neue Zeitrechnung begonnen hatte, ein neues Tor in eine andere, düstere Welt, in der es keinen Platz mehr gab für freudliche, pastellige Farbtöne, für langsam hinein gedrückte Sympathien für eine Vorabendserie aus dem Ersten und schon gar keinen Platz mehr für eine rührlöffelzäh gedudelte Ballade a la "Wind of Change" Für Perry begann eine Zeitreise in die Unsterblichkeit!
Perry und ich verließen den Ort schweigend. Während Perry mit Taxi nach Hause fuhr, suchte ich Halt in einer zweitklassigen, verruchten Kaschemme, eine von vielen humorlosen Bars in einer dieser finsteren Seitenstraßen, wo um diese Uhrzeit nur ein paar wenige Einsame und Namenlose Bier und Schnaps trinken um ihr Leben zu vergessen.
Zwei Stunden später war es dann soweit: Von etlichen doppelten Gläsern Bourbon gekennzeichnet, von der brutalen Wirklichkeit erfasst, die sich wie eine Schere in meinen Kopf bohrte, konnte ich mein junges Talent bewundern, vom Barhocker aus ohne Umwege auf den Boden zu kotzen. Während der Barmann kopfschüttelnd und auf Knien das frisch erbrochene Bündel abgekratzer Magenwand in den Eimer wringte, wurde ich ziemlich unsanft aus der Bar geworfen.
Ich fiel auf den Boden. Die Schwärze der Nacht war immer noch tiefkalt und wimmernd....

11
Apr
2013

Kokain und draußen würde alles wärmer..

coca-grauSeit nun mehreren Wochen saß ich in meinem Zimmer, den ganzen Tag lang, nur zum pinkeln verließ ich den Raum. Es war still in meinem Zimmer und kalt. Der Winter war gekommen, mühsam stieg er von Etage zu Etage, unzählige Eiskristalle verdeckten die Sicht aus dem Fenster. Nachts klebten die Kleider vollgesaugt mit Drogenschweiß, flaschenweise Bourbon und Wodka spülten jeden vernünftigen Gedanken weg, alles tropfte wie aus einem Guss, dann endlich das krönende Ende, wie eine Fontaine schoss es mir aus dem Mund, röchelnd sah ich hinterher, zum Glück war er leise gewesen, der leicht dampfende Strahl bourbonverdünnter Magensäure. Nur mit allergrößter Mühe schaffte ich es jeden Morgen, rechtzeitig noch bevor meine Mutter in mein Zimmer kam, das über Nacht festgetrocknete Bündel Erbrochenes vom Boden zu wischen. Oft wagte ich nicht noch ein zweites Mal nachzuschauen. Der Geruch war grausam,am liebsten wäre ich zurückgewichen, aber vermutlich wäre meine Mutter schlaftrunkend, ihren Morgenmantel tragend genau in diesem Moment herein getreten, alles wäre raus gekommen, die nächtlichen weißen Linien, der Bourbon, mein schönes Leben wäre vorbei gewesen.Im Inneren war mir kalt. Vom vielen Kokain. Nur draußen würde alles wärmer werden, ich müsste nur in Bewegung bleiben, gleich wie kalt der Wind war. Solange ich die Straßen mit schnellen Schritten vorwärts ginge, würde mir bald warm werden. Winterliche Kälte kommt nicht von irgendwo her, schon gar nicht vom winterlich trüben Taghimmel, sondern saß viel tiefer, eingefroren, ganz weit drinnen, dort wo es schmerzt. Als ich tatsächlich anfing all das wirklich zu glauben, lösten sich plötzlich fest verkrustete Gebilde in meiner Nase. Die Nacht blutete in Strömen zu Boden. So, als hätte man mir eben gerade ins Gehirn gebohrt...

9
Apr
2013

M-Stadt-Der Tod kann nicht aufstehen

todDas Ende der alten Dame hatte mich nicht sonderlich mitgenommen, auch wenn die Aussicht durch den Türspion auf das vor sich hinröchelnde Kadaver Mensch genauso abscheulich war, wie der säurehaltige Geruch von Todesangst. Auf einer Bahre lag ein verschrumpeltes Gesicht. Vertrocknete, leicht bedeckte Brüste und dunkle Löcher wucherten an den Oberarmen, und ein beißender Geastank. Kränkliche Urindämpfe, die sich wie eine Kreissäge durch die Treppenhauswände und die Wohnungstür fraßen. Aber Menschen reichen im Allgemeinen nicht besonders gut, alte Menschen noch weniger, und schon gar nicht die, die sich als Hauptwohnsitz eine leicht durchhängende Opferbank ausgesucht hatten und mit dem Tod sympathisierten. Aber man gewöhnt sich mit der Zeit an alles, denn in unserem Viertel starben die Alten wie die Fliegen...
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ralf jeneke - 29. Jun, 16:36
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XeniaS. - 29. Jun, 00:20
Texte?
teilweise echt fette texte. interssante schreibweise....
XeniaS. - 29. Jun, 00:01
PERRY T. HADDEN/M-STADT
BAUSATZKONSTRUKT.MYBLOG .DE
Perry T.Hadden - 13. Jun, 23:03
PERRY T. HADDEN / BAUSATZKONSTRUKT
BLOG/REDUZIERTE/TEXTE
Perry T.Hadden - 12. Jun, 21:18
F A C E B O O K
Perry T.Hadden - 12. Jun, 19:35
T W I T T E R
Perry T.Hadden - 12. Jun, 19:34
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Regen fiel, in einer kühl gewordenen Nacht. Es war...
Perry T.Hadden - 29. Mai, 21:29

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