15
Apr
2013

M-STADT KUNSTSTUMM

kunststummWenn man Wolken abtreiben könnte, so dachte ich mir, dann wäre es an diesem frühen Morgen, als ich auf dem Weg zu Perrys Loft war, eine nahezu einhundertprozentige misslungene Abtreibung gewesen.
Ein einziger bedeckter Himmel, pechschwarze, randvolle Gewitterwolken, die mir auf den Fersen waren, über mir hingen und tausendmal mehr Wasser zum Pissen hatten, als die undichte Blase meines Vaters. Perrys Loft war etwas Heiliges, eine ruhige abseits gelegene Rückzugsadresse, auf die er viel Wert legte, in einer phänomenalen künstlerischen Verfassung. Aber er war auch ein stummer Schrei nach etwas, nachdem er verzweifelt im Leben suchte und nicht zu finden schien.
Am vorsich hin pröckelnden Mauerwerk der Loft lehnten vier übergroße, nicht fertiggestellte Bilder. Bilder die keinen Ausdruck von Ruhe signalisierten, alles schien verschwommen und düster, unterschiedlich schattiert mit kurzen Pinselstrichen. Die vier Bilder erzählten keine Geschichten, sondern berührten, wie zufällige Momentaufnahmen einer Gewaltbereitschaft, fest auf übergroßen Leinwänden. Auffallend an allen Bildern war, dass sich die Gesichter vom Betrachter abwendeten, ziemlich lichtlos das Ganze, monochrom und wirkte bedrohlich. Menschen erschienen als unausgearbeitete Figuren. Sie waren nicht fertig, ihnen fehlte auf meist tief schwarzem Hintergrund das rohe, rote Fleisch. Dennoch interessierte sich einer der angesehendsten Galleristen in Wien für Perrys Bilder...
Vor den Bildern, auf staubigen Boden offenbarte sich alte, deutsche Literatur, Zeitgenössisches und Geschichtliches, Hesse, Böll, Rilke, Grass lagen dicht verstaubt neben Spiegel-Ausgaben, Hochglanz-Pornohefte aus Italien, Hitler, der fast 300 Seiten dicker gebunden war, blickte schmunzelnd auf italienische Titten herab.
Ja wir waren stolz auf unser Land, nur hatten wir alle ein Problem:
Wir durften es nicht sagen. Eigentlich durften wir es noch nicht mal denken. Und wenn dann nur hinter vorgehaltener Hand. Taten wir es doch, wurden wir sofort als politisch rechts abgestempelt und das, obwohl bei den meisten von uns jeder Dritte im Freundeskreis ein Ausländer war....
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